Die Lümmel werden sichtbar

Lucy sieht genau so aus, wie es sich gehört für eine tragende Hündin, sechs Wochen nach dem Decken. Na gut, die Narbe könnte man weglassen, aber dazu steht Lucy. Ich glaube, sie würde es wieder tun, um ihre neue Position zu festigen.

Wir denken, Lucy ist mit sich im Reinen. Jedenfalls macht sie einen sehr ausgeglichenen Eindruck, ist nach wie vor unser Sonnenschein, und kann sich – wie eigentlich immer – für alles Essbare extrem begeistern.

Heute hatte ich allerdings das Gefühl, dass der gewohnte Einklang bei unserer gemeinsamen Fahrradtour nicht so recht aufkommen wollte. Obwohl ich nur noch halb so schnell fahre wie vorher (und auch nur noch ein Drittel der Strecke), musste ich immer wieder anhalten, weil Lucy sich irgendwo festgeschnüffelt hatte und nicht mehr hinterher kam. Stattdessen verfolgte sie dann einen mit Mist beladenen Trecker, der auch tatsächlich etwas für sie fallen ließ. – Die Zeit des Trabens ist wohl vorbei. Ab Morgen gibt es also nur noch Spaziergänge im Schritttempo und vielleicht doch schon eine dritte Mahlzeit.

Grund zur Freude

Lucy ist ganz sicher tragend! Das nur mal zwischendurch, falls noch jemand gezweifelt hat nach der ganzen Verunsicherung in den letzten Wochen.

Die Fotos sind schon ein paar Tage alt und zeigen noch nicht ihre momentane „Leibesfülle“.

Sie wird schon ein bisschen langsamer, die täglichen Fahrrad-Runden werden kürzer, aber Lucys Stimmung ist – wie immer – ausgeglichen bis fröhlich. Im Haus ist auch der Kontakt mit Indi relativ unkompliziert. Draußen sind wir stets aufmerksam dabei und lassen nichts zu, meistens ist aber die eine drinnen, wenn die andere draußen ist.

Wir tun alles dafür, den Frieden in Meierhafe nicht zu gefährden und nach Möglichkeit langfristig wieder zu stabilisieren.

Die gute und die schlechte Nachricht

Nachdem ich insgesamt 12 meiner Beiträge gelöscht habe, die alle mit der Hoffnung auf Malenkas Welpen zu tun hatten, gibt es nun neuen Grund zur Hoffnung: Lucy sieht schon ziemlich schwanger aus.

Sie hat zwar erst die Hälfte ihrer Trächtigkeit hinter sich, aber ich bin recht zuversichtlich, dass ihr Bauch sich schon an der richtigen Stelle zu runden beginnt. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte hat mit den Oster-Feiertagen und der zunächst ziemlich hochgefahrenen Stimmung nach dem Eintreffen von Kindern und Enkeln in Meierhafe zu tun. Lucy und Indi sind nämlich im allgemeinen Trubel wieder aneinander geraten.

Wodurch es diesmal ausgelöst wurde, hat niemand beobachtet, wir konnten sie aber schnell trennen, als wir dazu kamen. Leider hatte Lucy da schon eine Verletzung unter ihrem rechten Auge, die tierärztlich behandelt werden musste, sodass sie immer noch aussieht, wie ein Boxer nach dem Kampf. Dass ihr Kampf noch nicht zuende ist, hat Lucy uns gezeigt, indem sie Indi gleich weiter attackieren wollte, als wir sie wieder zusammengeführt haben. Daraufhin haben wir sie bis heute nicht mehr zusammen laufen lassen.

Jetzt sind Andreas und ich wieder allein mit den Hunden und haben Lucy und Indi gerade kurz zusammen in einem Raum gehabt. Wenn ich nicht abgelenkt bin, reicht meine Präsenz aus, dass keine auf dumme Gedanken kommt, aber wir wollen diese Annäherungen auf ruhige Situationen im Haus beschränken. Lucy und Indi müssen sich damit abfinden, dass die jeweils andere auch ein Teil des Rudels ist. Gleichzeitig müssen sie sich an unsere Vorgaben halten und sich darauf verlassen können, dass wir für ihre Sicherheit sorgen. Also mehr Regeln, mehr Verbindlichkeit, weniger Freiheiten. Für alle. – Ist nicht wirklich mein Ding, aber anders kriegen wir das nicht hin.

Während der Trächtigkeit wollen wir natürlich zusätzlichen Stress für Lucy vermeiden (das heißt, im Zweifelsfall geht die Trennung auf Indis Kosten). Nach der Geburt brauchen die Mütter sowieso erstmal Abstand für sich und ihre Welpen. Später, wenn alle draußen auf dem Sandberg sind, wäre so ein schwelender Konflikt auch das letzte, was wir den Kleinen zumuten würden. Mal abgesehen davon, dass Indi bisher immer „übernommen“ hat, wenn die jungen Mütter mit ihren Kindern draußen waren. Das würde Lucy jetzt sicher nicht mehr zulassen.

Es wird also darauf hinauslaufen, dass wir Indi und Lucy in den nächsten Monaten getrennt halten.

… da warn es wieder fünf!

Unsere Neue heißt (wieder) Rieke und sieht ihrer Vorgängerin (Tochter von Indi und Rigaz) tatsächlich ein bisschen ähnlich. Im Vergleich zu unseren eigenen Welpen wirkt sie eher zart. Auf jeden Fall hat sie uns mit ihrer fröhlichen, unbefangenen und doch sehr sanften Art längst verzaubert. Sie ist am Sonntag mit zwölf Wochen bei uns eingezogen. Nun lebt sie sich ein, was ihr offenbar keine Probleme bereitet.

Das sah am ersten Abend noch ganz anders aus, als wir unsere erwachsenen Hunde der Reihe nach zur Begrüßung zu ihr schickten. Rieke brachte sich sofort (bei uns) in Deckung und versuchte mit Keifen und Knurren all die fremden Monster von sich fern zu halten (es war auch schon dunkel). Als dann noch die Katze Mia vorbei lief, wurde die mit ebenso verzweifelten Einschüchterungsversuchen vertrieben. Bei der Katze hatte sie Erfolg. Die Hunde blieben (nacheinander) ganz ruhig bei ihr stehen. Malenka wedelte sie freundlich an, Lucy ging zur Beruhigung erstmal wieder einen Schritt zurück, Jamie war väterliche Güte in Person und ließ ihr nach kurzem Anschnuppern genau den Raum, den sie wollte. Indi kam als Letzte und entschied sich angesichts dieses verzweifelten kleinen Welpen für eine andere Strategie: Sie stellte sich mit etwas Körperspannung und erhobener Rute vor ihr auf. – Und tatsächlich war das genau die vertrauensbildende Maßnahme, die Rieke gebraucht hatte. Sie hörte sofort auf mit ihrem hysterischen Gekeife, kam aus ihrer Deckung und begann, Indi von vorn bis hinten (erstmal hinten) zu beschnuppern. Dabei blieb Indi ganz ruhig stehen, bis Rieke fertig war. Danach war eigentlich alles gut.

Bis heute ist Indi die Anlaufstelle für Rieke, wenn sie Sicherheit braucht. Zum Beispiel einen besonders geschützten Schlafplatz, von denen es (in unseren Augen) hier einige geeignete geben sollte. Wenn Rieke nach Tiefschlaf ist, kuckt sie sich nach Indi um und legt sich direkt neben sie. Indi lässt sie. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich bin so froh, dass wir Indi in unserem Rudel haben! Natürlich könnten wir jetzt darüber reden, was wir Menschen von Indis Verhalten übernehmen sollten, um besser auf die Bedürfnisse unserer Welpen einzugehen (Stichwort: „in Führung gehen“ … ), aber die Hunde können das meistens viel besser! Also freu ich mich einfach, dass wir ein Team sind, in dem ich nach meinen Möglichkeiten handeln kann und die Hunde ihren Part übernehmen.

Rieke und Indi
Lucy und Rieke
Malenka und Rieke

die Meierhafe-Idylle hat einen Riss bekommen

Das war Indi gestern abend: Allein draußen, solange es noch hell war.

Das waren Malenka, Lucy und Jamie gestern abend.: „wenn du reingehen willst, kommen wir mit!“

Das sind Lucy und Indi heute mittag: wie unter Schock, als verstünden sie die Welt nicht mehr.

Was geschehen ist? Sie haben gekämpft. Und zwar miteinander. Warum? Hat sich so ergeben.

Auf der Straße ging – wie mehrmals jeden Tag – Nachbars Hermine ihres Weges. Unsere Hunde waren alle im vorderen Bereich des Hofes. Ich nicht. Die hochschwangere Malenka wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und stimmte ihr Kriegsgeschrei an: „kommt alle mit! zusammen sind wir stark! Nachbars Hermine will hier unbemerkt vorbeigehn! das können wir nicht zulassen! wir machen ihr Angst, das macht Spaß!“ (Hermine und Malenka sind sich übrigens schon mehrmals friedlich begegnet. Auch auf unserem Grundstück.) Komischerweise machen neuerdings tatsächlich alle Hunde mit, wenn Malenka das so will. (Nur, wenn ich nicht dabei bin!!)

In dieser aufgeheizten Stimmung sind Lucy und Indi, die beiden (potenziellen) Konkurrentinnen im Rudel, irgendwie aneinander geraten. Und dann konnten sie nicht mehr aufhören. Jamie und ich haben am Anfang ein paar hilflose Versuche unternommen, dazwischen zu gehen, aber dafür war es längst zu spät. Ich glaube, dass Indi angefangen hat und Lucy heftig reagiert hat, weil ihr Hormonstatus direkt nach der Läufigkeit das noch hergab. Egal. Am Ende war Lucy die Stärkere. Sie hatte Indi immer wieder am Boden und schien ihr direkt in die Kehle zu beißen. Um überhaupt etwas zu tun, habe ich erstmal Jamie und Malenka ins Haus gebracht. Sie wussten ja auch nicht weiter. Dann hab ich eine Gießkanne mit Wasser gefüllt und bin damit zu den immer noch kämpfenden Mädels zurück. Indi lag am Boden und war schon fix und fertig. Lucy traute sich aber noch nicht, sie ganz freizugeben. Ich hab dann erstmal Lucy das Wasser ins Gesicht gegossen – darauf ließ sie sofort von Indi ab. Sicherheitshalber hat Indi auch noch ein bisschen Wasser abgekriegt, aber irgendwie waren beide sowieso schon am Ende. Wahrscheinlich hat es auch nur deshalb funktioniert.

Danach standen wir alle drei eine Weile unter Schock. Ich wusste eigentlich nur: wir müssen das zusammen durchstehen und hier wird keiner weggesperrt. Schließlich geht es darum, auch in Zukunft ein funktionierendes (harmonisches?) Rudel zu bilden. Nach und nach senkte sich der Adrenalin-Spiegel und ich konnte die Mädels auf Verletzungen untersuchen. – Ja, es gab bei beiden blutige Schrammen, hauptsächlich im Gesicht. Indis kleines Loch an der Kehle hab ich erst später entdeckt. Da war aber (hoffentlich) nichts, was man mit mehr als Desinfektionsspray hätte behandeln müssen. Ich bin aber auch nicht so der „Hilfe!-der-Tierarzt-solls-richten!“-Typ, sonst hätten sie sicher schon ihre Antibiotika-Dosis bekommen.

Das war heute mittag. Jetzt liegen gerade alle vier Weißen entspannt schlafend um mich rum.

Namensliste neuster Stand

Danke für eure tollen Vorschläge!! Manche schließen sich gegenseitig aus, weil sie so ähnlich klingen. Geblieben sind jetzt:

Mädels: Laika, Leevke, Leni, Lilli, Lina, Lotte, Lynn

Jungs: Lars, Lasse, Leif, Lennox, Leo(n), Linus, Loki

Alle werden wohl nicht zum Zuge kommen, ihr könnt also weiterhin gespannt sein, wer am Ende das Rennen macht.

Zeit zum Durchatmen

Lucy vermisst ihren Freund Pauli

Nun konnte Pauli doch wieder zurück in seine alte Familie. – Was ja auch toll ist für ihn, deshalb sind wir eigentlich froh – und wegen Jamie auch irgendwie erleichtert. Aber die Stille, die sich hier gerade breit macht, fühlt sich fast ein bischen wie Leere an.

Klara und Pauli, die beiden „Jungen Wilden“ waren voller Energie. Sie liebten es, sich miteinander und mit den Alten zu messen und ihre Kraft zu spüren. Mit ihnen tobte das Leben in Meierhafe. Das war natürlich auch anstrengend für uns und die älteren Hunde. Wir waren immer wieder herausgefordert, mussten schnell sein, Grenzen aufzeigen, Ruhe einfordern. Gleichzeitig haben wir uns alle gern anstecken lassen von der Fröhlichkeit und der machmal so wilden Lebensfreude.

Es ist schon lange her, dass wir keinen jungen Hund in unserem Rudel hatten. Als ich heute morgen mit Jamie, Indi, Malenka und Lucy draußen unterwegs war, wollte niemand rennen. Es war leise, alle bewegten sich ruhig oder standen in stillem Einverständnis umeinander rum. Ich mittendrin.

Nach den sehr intensiven und auch anstrengenden Wochen mit wechselner Besetzung im Rudel, Zeiten des Entdeckens, des neu Kennenlernens und der Auseinandersetzung, ist nun wieder Ruhe eingekehrt. Das sollten wir genießen. Ich glaube, die Hunde tun das schon.