Am zweiten Tag

wird klar, dass wir noch einen Welpen verlieren werden, denn der kleinere und von Anfang an schwächere Welpe mag nun auch nicht mehr trinken. Seine Bewegungen werden immer langsamer und er nimmt seit gestern nicht mehr zu.

Ich habe diesmal nicht (wie in allen vorangegangenen Welpen-Tagebüchern) von Namen, Geschlechtern, Gewichten und Halsbandfarben erzählt, denn es war abzusehen, dass es nach dieser besonderen Geburt noch länger dauern würde, bis sich alles stabilisiert hat. Heute ist wieder ein Tag des Abschiednehmens, den möchte ich noch abwarten, bevor ich euch die verbleibenden fünf Lümmel vorstelle, die dann hoffentlich hier gemeinsam groß und stark werden.

Lucy geht es verhältnismäßig gut, auch wenn ihr Appetit noch nicht zurückgekommen ist. Seit heute gebe ich ihr kein Schmerzmittel mehr, vielleicht war ihr das auf den Magen geschlagen. Sie ist kaum dazu zu bewegen, ihre Welpen mal kurz zu verlassen. Ich erlebe bei ihr zum ersten Mal so etwas wie Misstrauen, als müsse sie auf der Hut sein, dass wir ihr nicht noch mehr Welpen wegnehmen.

An ihrem ersten Tag

… haben sechs Lümmel von Meierhafe sich ganz gut eingelebt und sogar schon zugenommen. Der siebte, der gestern noch per Kaiserschnitt zur Welt kam, hat es leider nicht geschafft.

Lucy hatte in der Nacht lange „Hechel-Zeiten“ und war zunächst sehr unruhig. Es gab ja auch viel zu verarbeiten. Gegen Morgen sind wir aber alle zur Ruhe gekommen.

In dieser Anordnung haben sich Lucy und die Welpen heute morgen präsentiert: ordentlich in Dreierreihen, sauber, satt und zufrieden. Die Welpen jedenfalls. Lucy ist noch nicht in der Verfassung für eine Grundreinigung und lässt ganz gegen ihre Gewohnheit alles andere stehn, was ich ihr anbiete, frisst aber ihr Barffutter mit gleichbleibender Begeisterung. Wie gut, dass wir diese Form der Ernährung gefunden haben!

Wir freuen uns sehr über diese sechs gesunden Welpen!

Die Lümmel sind da!

Aber es gibt noch keine Begrüßungfotos und keinen großen Jubel.

Nach vielen Stunden Wehen kam letzte Nacht um vier endlich der erste Welpe, dann zweieinhalb Stunden nichts mehr. Ungefähr im zwei-Stunden-Takt sind dann sechs gesunde und überwiegend kräftige Welpen geboren, bis schließlich nichts mehr ging. Klar war, dass gegen vier Uhr nachmittags immernoch Welpen in Lucys Bauch waren. Unklar, ob sie noch am Leben waren. Weil Lucys Kraft schon gegen Ende ging, sind wir mit ihr und den Welpen kurzentschlossen in eine Klinik nach Oldenburg gefahren, um durch Röntgen und Ultraschall zunächst mal eine klare Diagnose zu bekommen und dann die restlichen Welpen per Kaiserschnitt zu holen.

Das Ergebnis war, dass noch ein lebender Welpe geholt werden konnte. Leider gab es Verwachsungen von der Plazenta eines toten Welpen mit Lucys Gebärmutter, die sich nicht sauber lösen ließen. Es schien sinnvoll, Lucy an Ort und Stelle zu kastrieren, um spätere Komplikationen zu vermeiden.

Nun sind wir zuhause angekommen und Lucy ist – noch sehr benommen von der Narkose – geradewegs in ihre Wurfkiste zurückgetorkelt.

Die Welpen haben alles gut überstanden und wir hoffen, dass alle sieben die ersten Tage überleben.

Ich brauche nun meine verbleibende Kraft, um Lucy und ihre Kinder zu unterstützen, deshalb gibt es erst morgen mehr Infos zu den Lümmeln.

Sechs Welpen unterwegs. Sie warten auf ihre Mama, die gerade im OP ist.

Wenn Lucy sich zu Indi legt,

… ist Indi verunsichert und reagiert devot, indem sie die Augen zu Schlitzen verengt, die Ohren zurücklegt, den Kopf abwendet, …

und schließlich aufsteht, um sich einen anderen Platz zu suchen.

So viel zu der Beziehung unserer Konkurrentinnen. Im Haus sind sie meistens frei zusammen, solange ich sicher bin, dass keine Aufregung entsteht. Sobald die Wehen losgehen, werde ich aber aufpassen, dass Indi nicht in der Nähe ist.

Wenn dann (ganz bald) die Welpen kommen, will die Mutter sowieso, dass alle erstmal Abstand halten. Das machen die Hunde meistens von alleine (oder weil Lucy es ganz deutlich sagt), aber für Indi werden wir in der Zeit wohl einen größeren Sicherheitsabstand garantieren müssen.

Noch eine Woche warten

Lucy war gerade noch kurz in der Höhle, wie man an ihrer Gelbfärbung erkennen kann. Warum sie wohl so gerne vor diesem Holzstapel liegen? Sieht eigentlich gar nicht so gemütlich aus, aber immerhin hat man von da den vorderen Eingang zum Hof sowie den hinteren Eingang zum Haus im Blick. Strategisch motiviert also.

Lucy geht’s den Umständen entsprechend. Soll heißen gut, aber eben auch beschwerlich mit ihrer Leibesfülle. Sie schläft ruhig und verträgt nach wie vor alles. Jeden Abend erinnert sie mich an unseren Lieblings-Snack: Feta vom Schaf mit Knäckebrot. Und es darf immer noch ein bisschen mehr sein.

Wenn alles gut weitergeht,

… dann können wir wohl mit einem ziemlich großen Wurf rechnen. Lucy sieht jedenfalls danach aus.

Wobei ich mir und den Hundemüttern jedesmal einen mittelgroßen Wurf (6-8 Welpen) wünsche. Was darüber hinausgeht, ist für alle Beteiligten deutlich anstrengender. Das betrifft schon die Geburt, dann die Milchproduktion und vor allem den Ansturm der Welpen auf das Gesäuge der Mutter, wenn sie größer und kräftiger werden. Bei großen Würfen muss ich in dieser Zeit (3. bis 5. Woche) ständig regulierend eingreifen, damit die Welpen gleichmäßig gut genährt und die Mütter nicht überbeansprucht werden.

Indi und Lotta hatten meistens neun bis elf Welpen. Das haben wir zusammen zwar immer gut hingekriegt, war aber kein Vergleich mit den gemütlichen sieben Welpen, die Lucy und Malenka in ihren letzten Würfen großgezogen haben.

In diesem Fall könnte ein großer Wurf aber auch dazu führen, dass für die meisten der sehnsüchtig wartenden „Welpenfamilien“ ihr Wunsch in Erfüllung geht. – Zum Glück kann und muss ich das nicht entscheiden. Lucy wird, wie immer, ihr Bestes geben und ich werde sie nach Kräften unterstützen.