Zum letzten Mal mit Lucy

zum See fahren, die große Fahrradrunde drehen, mit dem Rudel laufen, den Futterbeutel verstecken, Sachen suchen, durch die Felder streifen, …

In den letzten Tagen ist mir nochmal bewußt geworden, wie einmalig es ist, mit dieser Hündin unterwegs zu sein. Lucy kriegt alles mit und bleibt doch die ganz Zeit in Kontakt mit mir. Sie darf inzwischen vieles selbständig entscheiden, läuft sehr gerne ein paar Schritte vor dem Rest der Gruppe, ist aber mit ihren Ohren immer bei mir. Egal auf wen sie trifft, Lucy verhält sich freundlich, höflich, wenn nötig auch ausweichend und ist in jeder Situation gut ansprechbar.

Ich wünsche mir so sehr, dass Lucy all ihre Stärken und ihr Vertrauen mitnimmt und irgendwann an der Seite ihrer neuen Menschen mit derselben Fröhlichkeit und Zuverlässigkeit agieren kann. Das wird ein wenig Zeit brauchen, denn diese Art von Verständnis wächst im gemeinsamen Alltag und ist nichts, was man mal eben antrainieren kann.

Wir sind stolz und dankbar, dass diese tolle Hündin zu unserem Leben gehört hat und hoffen von Herzen, dass ihre neue Familie schon bald genauso empfinden wird.

Ohne Lümmel

ist das Leben in Meierhafe wieder ganz anders. Aber bald kommt’s noch dicker: In ein paar Tagen wird Meierhafe auch ohne Lucy sein.

Die Konflikte mit Indi hatten am Anfang von Lucys Trächtigkeit begonnen. Nach den ersten Beißereien hatte ich noch Hoffnung, dass die beiden zu ihrem normalen, entspannten Umgang zurückfinden könnten, das war aber nicht so. Zumindest Indi ist angespannt, wenn Lucy mit ihr im Raum ist, und wir würden die beiden nicht mehr zusammen allein lassen. Indi ist es gewöhnt, für das Rudel Entscheidungen zu treffen und diese auch durchzusetzen, Lucy akzeptiert das aber nicht mehr. Und sie hat immer wieder gezeigt, dass sie die Stärkere ist. Deshalb haben wir jede Konkurrenzsituation vermieden in den letzten Monaten und die beiden auch nie gemeinsam zu den Welpen gelassen.

Seit uns klar war, dass wir in dieser Konstellation die Sicherheit unserer Hunde nicht mehr gewährleisten können, mussten wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, für Lucy ein anderes Zuhause zu suchen. Das haben wir zum Glück ganz in der Nähe gefunden, bei einem Paar, das sich ursprünglich für einen Welpen von Lucy bei uns vorgestellt hatte. Wir sind froh, genau diese Menschen für sie gefunden zu haben!

Lucy ist ja unser „Alles-Könner“, mit guten Nerven, ganz viel Empathie für Menschen aller Art und einem sicheren Auftreten in allen möglichen Situationen. Das sollte gut passen, wenn sie bald ihre neuen Leute zur Arbeit begleitet, in eine Einrichtung in der Menschen mit Behinderung leben.

Im Moment sind wir noch dabei, den „Übergang“ für Lucy zu gestalten. Sie hat schon viel Zeit mit der neuen Familie verbracht und letzte Nacht zum ersten Mal dort geschlafen. Jedesmal, wenn sie von ihnen abgeholt wird, freut sie sich ein bisschen mehr.

Wir freuen uns über die Aussicht, sie weiterhin regelmäßig zu sehen, bei uns, auf gemeinsamen Spaziergängen und bei den Wurftreffen ihrer Kinder.

Jetzt sind es nur noch fünf … (Hühner)

Eigentlich können die beiden nichts dafür.

Lucy sowieso nicht. Wir denken inzwischen, dass sie vielleicht gar nicht im Hühnerauslauf war, sondern sich nur ein von Rieke aufgeschrecktes Huhn, das herausflattern konnte, geschnappt hat. So hat sie es jedenfalls bisher verstanden: Hühner, die ihren zugewiesenen Bereich verlassen, sind ihre Beute.

Wir haben das so akzeptiert, weil wir in den entsprechenden Situationen nicht dabei waren und ihr keine anderen Informationen zukommen lassen konnten. (Wenn ich mit ihr zur Klärung der Lage durch den Hühnerauslauf spaziere, macht sie immer einen auf entspannt und „geht mich doch nichts an“.)

Da mein Ärger über die erlegten Hühner aber noch viel größer wäre, wenn sie nicht mehr verwertet werden könnten, war ich jedesmal damit einverstanden, dass Lucy sie so wunderbar komplett verzehrt hat. Ja! Meine erzieherischen Ambitionen sind längst nicht so ausgeprägt, wie meine Abneigung vor Verschwendung und sinnlosem Tod. Auch von Hühnern. Außerdem traue ich Lucy zu, dass sie mehr versteht als ich ihr damit beibringen könnte, dass sie die Hühner nicht fressen darf. (Wenn nicht, spielt das keine so große Rolle, aber so eindimensional sind sie nicht, unsere Hunde!)

Komischerweise ist Lucy die einzige, die sich überhaupt dafür interessiert, sich so ein ganzes Tier einzuverleiben. Alle anderen schauen bestenfalls zu, und warten ansonsten mehr oder weniger geduldig auf ihr mundgerecht zubereitetes Futter.

Wenn man Jamie oder Malenka im Hühnerauslauf einsperren würde, wären am Ende sicher alle gute Freunde. Bei Indi bin ich mir nicht sicher. Sie kennt noch die Zeiten, als unsere Hühner überall frei laufen durften. Damals hat sie es akzeptiert, weil sie verstanden hat, was wir wollten.

Die kleine Rieke hat einfach nicht die richtigen Rückmeldungen zur richtigen Zeit gekriegt. Woher soll sie wissen, dass Hühnerfangen kein Spaß ist? Unser Fehler war, die Hühner nicht ausreichend zu sichern und Riekes Möglichkeiten zu unterschätzen. Letzteres hat natürlich wieder damit zu tun, dass wir drinnen und draußen zu viele Türen haben, die wir manchmal vergessen abzuschließen, und damit (vor allem) Malenka und Indi die Möglichkeit geben, mal eben alles möglich zu machen.

Hühnerdiebe

Lucys Trächtigkeit hat alte Gelüste in ihr geweckt: Heute morgen hat sie sich schon vor dem Frühstück in den Hühnerauslauf geschlichen um sich eigenständig mit frischem Barf-Fleisch zu versorgen. Sie hat ein Huhn mitgenommen und es – bis auf ein paar Federn – komplett aufgefressen. (Offenbar haben wir ihren Nahrungsbedarf immer noch nicht richtig eingeschätzt.)

Noch viel ärgerlicher ist, dass nun auch die kleine Rieke herausgefunden hat, wie sie in den Hühnerauslauf reinkommt (raus kann sie noch nicht!) Sie frisst die Hühner noch nicht, kann sie aber töten – und das hat sie heute getan. Ihr Ausflug hat drei Hühner das Leben gekostet.

Offensichtlich haben unsere Hunde immer noch mehr Freiheiten als sie / wir vertragen können.

Die gute und die schlechte Nachricht

Nachdem ich insgesamt 12 meiner Beiträge gelöscht habe, die alle mit der Hoffnung auf Malenkas Welpen zu tun hatten, gibt es nun neuen Grund zur Hoffnung: Lucy sieht schon ziemlich schwanger aus.

Sie hat zwar erst die Hälfte ihrer Trächtigkeit hinter sich, aber ich bin recht zuversichtlich, dass ihr Bauch sich schon an der richtigen Stelle zu runden beginnt. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte hat mit den Oster-Feiertagen und der zunächst ziemlich hochgefahrenen Stimmung nach dem Eintreffen von Kindern und Enkeln in Meierhafe zu tun. Lucy und Indi sind nämlich im allgemeinen Trubel wieder aneinander geraten.

Wodurch es diesmal ausgelöst wurde, hat niemand beobachtet, wir konnten sie aber schnell trennen, als wir dazu kamen. Leider hatte Lucy da schon eine Verletzung unter ihrem rechten Auge, die tierärztlich behandelt werden musste, sodass sie immer noch aussieht, wie ein Boxer nach dem Kampf. Dass ihr Kampf noch nicht zuende ist, hat Lucy uns gezeigt, indem sie Indi gleich weiter attackieren wollte, als wir sie wieder zusammengeführt haben. Daraufhin haben wir sie bis heute nicht mehr zusammen laufen lassen.

Jetzt sind Andreas und ich wieder allein mit den Hunden und haben Lucy und Indi gerade kurz zusammen in einem Raum gehabt. Wenn ich nicht abgelenkt bin, reicht meine Präsenz aus, dass keine auf dumme Gedanken kommt, aber wir wollen diese Annäherungen auf ruhige Situationen im Haus beschränken. Lucy und Indi müssen sich damit abfinden, dass die jeweils andere auch ein Teil des Rudels ist. Gleichzeitig müssen sie sich an unsere Vorgaben halten und sich darauf verlassen können, dass wir für ihre Sicherheit sorgen. Also mehr Regeln, mehr Verbindlichkeit, weniger Freiheiten. Für alle. – Ist nicht wirklich mein Ding, aber anders kriegen wir das nicht hin.

Während der Trächtigkeit wollen wir natürlich zusätzlichen Stress für Lucy vermeiden (das heißt, im Zweifelsfall geht die Trennung auf Indis Kosten). Nach der Geburt brauchen die Mütter sowieso erstmal Abstand für sich und ihre Welpen. Später, wenn alle draußen auf dem Sandberg sind, wäre so ein schwelender Konflikt auch das letzte, was wir den Kleinen zumuten würden. Mal abgesehen davon, dass Indi bisher immer „übernommen“ hat, wenn die jungen Mütter mit ihren Kindern draußen waren. Das würde Lucy jetzt sicher nicht mehr zulassen.

Es wird also darauf hinauslaufen, dass wir Indi und Lucy in den nächsten Monaten getrennt halten.